Fortsetzung: Was ist Wikinomics?
Im Gegensatz zum Web 1.0, wo unveränderliche Webseiten (von Firmen) erzeugt wurden um Informationen weiterzugeben, wurde es mit dem Web 2.0 für alle möglich, sich am Web zu beteiligen, eigene Seiten aufzuschalten, News zu publizieren, zu bloggen etc. Die Geschäftsmodelle von Wikinomics beruhen auf Communities, die kreativ sein möchten und verändern wollen.
Für Firmen ist es eine grosse Chance, dieses Potential von Aussen zu nutzen, vor allem hinsichtlich Innovationen. In einer innovationsbasierten Wirtschaft fallen die höchsten Investitionskosten am Anfang des Innovationsprozesses an. Die Kosten für die Entwicklung eines ersten Produkts sind dementsprechend enorm hoch, während die Kosten für die Erzeugung der darauf folgenden gleichen Produkte vernachlässigbar sind. Procter und Gamble hat ein Programm zu einem globalen Innovationsnetzwerk aufgestellt (Connect + Develop), dessen Ziel darin besteht, 50% der benötigten Innovationen von ausserhalb der Unternehmung zu erhalten.
Im Buch sind verschiedene Modelle dieser Wertschöpfung beschrieben. Zum einen die partizipativen Plattformen Wikipedia und Co. an denen die Leute unentgeltlich mitarbeiten. Die Weiterentwicklung dieser Plattform könnte interessant werden, denn auf der Wikipedia-Seite selbst steht, dass die Zahl an Beiträgen sinkend ist und die Betreiber Schwierigkeiten haben, neue Autoren zu finden, weil die Administratoren sehr scharf kritisieren und der Umgangston ziemlich unfreundlich geworden ist. Wenn sie das nicht in den Griff kriegen, könnte es schon schwierig werden!
Als zweite Form sind im Buch Kooperationen beschrieben, bei denen auch für die Mitwirkenden viel Geld zu machen ist. Das sind dann z.T. einzelne Forscher, die sich auf Innovationsplattformen registriert haben und gegen Geld an einer Innovation für eine Firma arbeiten. Oder Unternehmen, die anderen Firmen ihre Schnittstellen offenlegen, damit diese sie verwenden können um eigene Produkte anzubieten, Amazon wäre da ein Beispiel. Die Ideen und das Gedankengut dahinter sind schon mit dem Web 1.0 aufgekommen, aber mit den Tools des Web 2.0 können sie perfekt umgesetzt werden.
Neben dem Web 2.0, der globalen Unternehmung und dem Gedanken der Kooperation sind die Net Kids, die Generation der zwischen 1977 und 1996 Geborenen, ein wichtiger Treiber von Wikinomics. Die Autoren sind der Ansicht, dass diese Generation, die schon kooperierend aufgewachsen ist mit Plattformen wie Facebook und MySpace und selbst News und Filme produziert, Produkte hackt und Musik remixt, ein ganz anderes Verständnis zum Teilen und zur Zusammenarbeit mit sich bringt als vorhergehende Generationen. Die Net Kids leben die im Buch beschriebenen Geschäftsmodelle und werden sie auch in Zukunft in Gang halten.
Quellenangaben unter: Citeulike
Was macht den Reiz aus von partizipativen Plattformen? Ich denke es geht um mehr als eine Wohlfühlcommunity, wo sich Gleichgesinnte, mehr oder weniger stilvoll, gegenseitig auf die Schultern klopfen. Es fehlen zwar Hierarchien und autoritäre Strukturen, aber schlussendlich geht es nicht ohne Wettbewerb: Es gibt eine Führerschaft, sie ist aber dem Medium angemessen. In der Wissensgesellschaft machen Befehle wenig Sinn, Ideen können zwar von überall her kommen, aber befehlen kann man sie nicht. Führerschaft muss man sich mit Vernunft und Überzeugung verdienen.
Verfasst 1 year, 7 months agoVon einem digitalen Maoismus ist das weit entfernt, die Einträge stammen nicht vom Kollektiv, sondern von einzelnen Autoren. Die wollen Spass haben und etwas nützliches Bauen. Das geht wohl eher in die Richtung, dass das Individuum eine Plattform gefunden hat, sich selber zu verwirklichen. Man macht etwas Sinnvolles, man trifft Gleichgesinnte, man kommt in Kontakt mit schlauen Leuten und es geht um Anerkennung innerhalb der Community.
Unser Gewinn ist, dass wir blitzschnell Zugang haben zu allen Informationen. Die Generation der Netkids wird der Welt der allgegenwärtigen Informationen mehr Medienkompetenz entgegenzuhalten haben. Sie ist mit den Werkzeugen, die zur Verfügung stehen aufgewachsen. Der Mensch bleibt aber Mensch, geworfen in ein sinnfreies Dasein, wo er sich als Individuum Sinn schaffen kann, vielleicht sogar muss, damit er für sich und andere einzigartig wird. Dafür sei Web 2.0 Dank!