Die globale Fabrik oder das Netzwerkunternehmen
Kooperation ist ein wichtiger Ansatz für die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen. Tapscott und Williams beschreiben verschiedene globale Unternehmen, die ihre Güter und Dienstleistungen in komplex organisierten Kooperationen herstellen. Dabei handelt es sich um ein global integriertes Ökosystem, das eine Vielzahl von Firmen umfasst, die als Partner beteiligt und in globaler Kooperation organisiert sind. Die globalen Fabriken vernetzen sich technisch über Internet miteinander und die Unternehmensgrenzen verschwimmen. Manuel Castells schrieb bereits im Jahr 2001 über dieses Wirtschaftsmodell und nannte es Netzwerkunternehmen. Dieses entsteht auf unterschiedliche Arten, z.B. indem sich Grosskonzerne intern dezentralisieren und im Rahmen der strategischen Zielsetzung der Gesamtfirma koordiniert werden. Oder indem kleine und mittlere Unternehmensnetzwerke kooperieren, sodass sie eine kritische Masse erreichen. Oder durch die kleineren und mittleren Unternehmensnetzwerke, die mit diversifizierten Bestandteilen von Grosskonzernen kooperieren. Netzwerkunternehmen sind kein Netzwerk von Unternehmen und keine vernetzte Organisation innerhalb eines Unternehmens, sondern ein Arrangement von Wirtschaftsaktivitäten, welche um ein Unternehmensprojekt herum entsteht, das Netzwerk selbst ist das Unternehmen.
Angefangen hat diese Entwicklung bereits in den 1980er Jahren mit Online-Unternehmen und Unternehmen der Telekommunikations- und Computerbranche. Castells nennt als frühestes Beispiel für ein Netzwerkunternehmen Cisco Systems, welches im Jahr 2000 mit diesem Geschäftsmodell begann. Cisco hat ein Netzwerk, das für Kunden und Lieferanten offen ist, die Cisco’s Connection Online, in die sich Kunden einloggen und ihre Wünsche angeben können. Mithilfe von Assistenten zu Preisberechnungen, Produkten und Konfigurationen gelangen die Kunden zum richtigen Produkt und schliessen einen Vertrag mit einem der autorisierten Vertreter ab. Die Lieferanten von Cisco stellen dann das Produkt her und liefern es aus. Der Kundenservice und die technische Unterstützung sind automatisiert und erfolgen ohne Personaleinsatz von Cisco. Auch die Produktion organisiert Cisco online über ein vernetztes Fertigungsumfeld, das im Jahr 1999 in Betrieb genommen wurde. Mehr als 90% der Produktionen wickelt ein ausgelagertes Netzwerk von zertifizierten Lieferanten ab, die von Cisco streng kontrolliert werden. Cisco automatisiert die Sammlung von Produktinformationen von den Lieferanten und legt die Standards und Methoden für Testvorgänge fest, die die Produzenten vor Ort durchführen. Cisco trägt letztlich die Verantwortung für Forschung und Entwicklung, Entwicklung von Prototypen, Qualitätskontrolle und Markennamen. Es ermöglicht die Kommunikation zwischen Mitarbeitern über den Globus mittels Intranetplattformen sowie die Kommunikation mit den Kunden. Cisco akquirierte Unternehmen, die Technologien entwickelten, die Cisco selbst nicht hatte, um seine Führungsposition zu verteidigen. Die neuen Unternehmen wurden so integriert, dass sie weiterhin dasselbe taten wie bisher, aber koordiniert mit dem übergreifenden Geschäftsplan von Cisco.
Nicht nur Unternehmen in der Computerbranche arbeiten nach diesem Geschäftsmodell. In der Modeindustrie begann Benetton bereits in den 1980er Jahren und heute verfährt Zara nach demselben Muster. Auch Boeing, der Flugzeughersteller gehört zu den globalen Fabriken. Möglich wurde dieses Geschäftsmodell durch weltumspannende Handelsnormen, Informationstechnologien und abgebaute Handelsbarrieren.
Anstatt wie Cisco zu fusionieren und sich an anderen Firmen zu beteiligen, verkaufte Boeing jedoch diejenigen seiner Produktionsbetriebe, welche nicht zum Kerngeschäft gehören, band sie aber mit Zulieferungsverträgen an sich. Für die Konstruktion des Passagierflugzeuges Dreamliner, der noch dieses Jahr fertig werden soll, hat der Flugzeughersteller seine Produktion an ein globales Netz von dezentralen Zulieferfirmen ausgelagert, die sich die Kosten und Risiken dieses Projekts als horizontales Netzwerk von Partnerfirmen teilen. Boeing verzichtete auf einen Teil seiner einstigen Kernkompetenzen in der Herstellung und bezog seine Partnerfirmen bereits bei der Planung mit ein. Die Dokumentation für den Bau früherer Flugzeuge, welche Boeing früher den Lieferanten verteilte, schrumpfte von mehreren tausend Seiten auf ca. 20, weil erkannt wurde, dass eine Firma, die ein Teil baut, es selbst auch besser konstruieren kann. Zur Endmontage werden nicht mehr Einzelteile geliefert, sondern ganze Module, wie z.B. die Seitenflossen, das Cockpit etc. die in den Werkstätten der Partnerfirmen hergestellt wurden. Die Zusammenarbeit dieses Netzwerks läuft über ein System für Echtzeitkooperation, das alle Konstruktionspläne und Simulationen enthält und den Konstruktoren der einzelnen Komponenten ermöglicht, sie vor der Montage zu testen. Boeing konzentriert sich nun vor allem auf Planungssysteme und Planungsverfahren und auf die Organisation der Kooperation der Partnerfirmen. Auf diese Weise spart es Kontrollkosten, beschleunigt den Innovationsprozess und bringt Flugzeuge schneller auf den Markt.
Die wichtigen Fragen für Boeing und andere kooperativ arbeitenden Unternehmen liegen vor allem darin, wem das geistige Eigentum zugesprochen wird und wie das erworbene Wissen gemanagt wird. Oder darin, wie viel Wissen proprietär gehalten und wie viel geteilt werden muss mit den Partnerfirmen. Boeing behält z.B. Konstruktion und Bau der Keilflosse im eigenen Unternehmen, weil sie darin einen Wissensvorsprung gegenüber ihrer Konkurrenz haben. Es besteht jedoch die Gefahr, der Konkurrenz Vorteile zu verschaffen mit dem Wissen, das preisgegeben worden ist. Doch aufgrund der Effizienzsteigerung durch die Spezialisierung und die Kooperation mit den Partnerfirmen scheint sich das Risiko auszuzahlen.
Für die Arbeitskräfte heisst es, dass sie sehr gut ausgebildet sein müssen. Sie müssen sich immer neuen Aufgabengebieten stellen und mit den technischen Anforderungen zurecht kommen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich immer weiter zu entwickeln und zu bilden. Dies setzt aber eine gute Ausbildung und viel Eigeninitiative voraus. Die wirtschaftliche Entwicklung zieht auch Anforderungen an das Bildungssystem nach sich. Den Schülern muss vermehrt der Umgang mit elektronischen Medien beigebracht werden. Sie müssen lernen, wie man sich selber etwas beibringt und sich klar werden, dass das, was sie jetzt lernen schnell wieder veraltet ist und sie sich selber weiterentwickeln müssen. Weiter ist die Fähigkeit gefragt, Informationen in spezifische Fähigkeiten umzuwandeln.
Quellenangaben unter: Citeulike
Es sind ja nicht nur die Arbeitgeber, die neue Ansprüche an die Mitarbeitenden haben, sondern es wächst auch eine neue, selbstsichere Arbeitnehmergeneration heran. Die Generation der Babybommers wird ersetzen werden in den nächsten Jahren mit den Millennials (in deinem Beitrag nennst du sie Netkids), den neuen Machern der globalen Wirtschaft.
Zu ihren Ansprüchen an die Arbeitswelt, bin ich auf eine Umfrage gestossen. So wünschen sich die Millennials ein Arbeitsumfeld, wo neue Technologien rasch eingesetzt werden und man sie damit experimentieren lässt. Der Zugang aufs Netz muss restriktionslos sein; Technik und Vernetzung dienen zur verbesserten Interaktion zwischen Menschen.
Die Millennials wünschen sich eine vernetzte Zusammenarbeit, also Teamwork und eine kooperative Kultur und natürlich mobile Arbeitsplätze. Das Arbeitaklima soll menschlich sein, und die Arbeitgeber haben eine zukunftsgerichtete, innovative und flexible Einstellung.
Das trifft sich doch wunderbar mit den Ansprüchen der Unternehmen der Kooperationen.
Stabsübergabe auf dem Arbeitsmarkt:
Verfasst 1 year, 7 months agoDie «Babyboomer» geben ab, die «Millennials» kommen URL: http://www.politik-digital.ch/