Der Wiki-Arbeitsplatz
Wie arbeiten Menschen im Wikinomics-Umfeld? Wie gestaltet sich ihr Arbeitsplatz?
Von Google ist bekannt, dass die MitarbeiterInnen sich ihren Tag völlig frei einteilen können. Unbehelligt von Arbeitsanweisungen durch das Management können sie sich auf das Erfinden und Konzipieren neuer Anwendungen konzentrieren (die natürlich mit der Stossrichtung des Konzerns übereinstimmen), sind kreativ tätig. Entspannen können sie sich mit Billard und anderen Spielen, die in den Pausenräumen stehen, wo auch Früchte und sonstige Esswaren gratis angeboten werden. Die MitarbeiterInnen werden sogar dazu angehalten, sich während der Arbeit Zeit für eigene Projekte zu nehmen, da daraus wieder gute Ideen für die Firma resultieren und die Leute motiviert bleiben. Nicht nur bei Google findet man dieses Arbeitsklima. Bei Geek Squad, einer amerikanischen Computer-Supportfirma mit 12′000 Mitarbeitern sieht es ähnlich aus. Die MitarbeiterInnen sind Computerfreaks, die sich ein Arbeitsumfeld geschaffen haben, das fasziniert weil es so unkonventionell und dennoch professionell ist. Die MitarbeiteInnen tragen alle eine Uniform mit schwarzen Kravatten, weissen Hemden, schwarzen Hosen und weissen Socken. Zu ihren Kundeneinsätzen („Katastropheneinsätzen“) fahren sie im Geekmobile, einem schwarz-weissen VW-Käfer.
Wie auch bei Google setzt sich die Mitarbeiterschaft von Geek Squad aus Leuten aus allen Ländern des Globus zusammen. Da die Firma in ganz Nordamerika Filialen hat, überlegte sich der Chef und ehemalige Gründer der Firma, welches der beste Weg sei, die Kommunikation zwischen allen Angestellten zu gewährleisten. Das E-Mail-System ist für einen Austausch zwischen den Angestellten einer solchen Firma nicht mehr zeitgemäss. Sie kommunizieren via Wikis und Weblogs Er führte also ein Wiki ein und forderte die Leute auf, es zu benutzen. Diese jedoch taten es nicht – sie kommunizierten bereits seit langem via ein Online Game, in dem der gesamte Staff mitspielte! Soviel zur Kontrolle des Managementes.
Was ist das Geheimnis des Erfolgs von Firmen wie Google und Geek Squad? Es liegt zum einen darin, dass eine Atmosphäre geschaffen wird, die die Mitarbeiter dazu bringt, sich mit der Firma zu identifizieren. Sie sind stolz darauf, hier zu arbeiten und erbringen Höchstleistungen, weil sie ihre Leidenschaft ausüben können und in einem Team arbeiten, welches mit demselben Feuer an neuen Ideen arbeitet. Innovation hat den höchsten Stellenwert. Ein weiterer Punkt ist, dass herkömmliche Hierarchien im Firmenalltag weitgehend abgebaut sind. Dies resultiert aus der Erkenntnis, dass kreative Ideen nicht allein aus der Chefetage kommen, sondern häufig von den MitarbeiterInnen stammen. Dazu braucht es die Bereitschaft des Managements zu Kooperation und Transparenz gegenüber den Angestellten. Einer der wesentlichsten Punkte des Erfolgs sind denn auch die Mitarbeiter selbst: Google ist mit seiner Filiale nach Zürich gekommen, um für Abgänger der ETH in attraktiver Nähe zu sein – die talentiertesten Leute einzustellen und an die Unternehmung zu binden ist essentiell für die Firma.
Damit ein Unternehmen mit einer solchen Firmenstruktur erfolgreich sein kann, müssen die Mitarbeiter einen sehr hohen Grad an Selbstorganisation und Eigenmotivation erreichen. Das Management muss in erster Linie bereit sein, in einem Vertrauensverhältnis mit seinen Mitarbeitern zu stehen und auf Kontrolle im herkömmlichen Sinn verzichten. Im Zentrum steht eine Unternehmenskultur, bei der jeder mitreden und kritisch sein kann.
Quellenangaben unter: Citeulike
Mein Kommentar ist eine persönliche Geschichte, nicht mit Happyend, aber eben aus dem Leben: Vor einigen Jahren hatte ich die unglaubliche Gelegenheit im PeopleSoft Projekte der Credit Suisse einsteigen zu können. Das war damals eines der renommiertesten Projekte, direkt angesiedelt unter der neuen Business Unit ‚Enterprise Ressource Planning (ERP) Solutions’. PeopleSoft war damals neben SAP ein Name im ERP Umfeld, später wurde die Firma von Oracle aufgekauft, wahrscheinlich gibt des den Namen nicht mehr.
Verfasst 1 year, 7 months agoZurück zum Projekt: Ich hatte das Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen, und als Trainee lernte ich PeopleSoft von der Pike auf kennen: Den Code für das Customizing, die Benutzerverwaltung, die technische Implementierung, die Funktionlität des Finanzmoduls, das Reporting. Business Analyst hiess die Bezeichnung meines Jobs. Die Stimmung in diesem Projekt war unglaublich, hoch motivierte Mitarbeitende, hohe Wertschätzung, lösungsorientierte Ansätze, Social Events, Sitzungen mit Früchten for free, hunderte von PowerPoint Präsentationen…
Dann platzte die Blase Ende des letzten Jahrtausends. 9/11 war der Todesstoss. Plötzlich zeichnete sich Kooperation für die Dutzenden von externen Consultants, die unterdessen die Gänge bevölkerten, nicht mehr aus. Sie kassierten unglaubliche Tagesansätze, man hatte sie aus der ganzen Welt hergebeten, auf Businesssitzplätzen, versteht sich. Sie hatten ein hohes Interesse daran, sich nicht ersetzbar zu machen. Nun begannen die ‚gruusigen’ Spielchen: Information Hiding, keine Rücksichtnahme auf diejenigen, deren Muttersprache nicht Englisch war, Leute ins Messer laufen lasse, usf. Was ist schief gelaufen? Wäre es mit weniger hierarchischen Strukturen besser gelaufen, oder Wikis und Blogs, die es damals noch nicht gab? Im Aufbau und Erfolg lässt sich eine gute Unternehmenskultur einfach leben, die Bewährungsprobe kommt bei der Redimensionierung.
Ach übrigens: Mein Abgang war bedingt durch Mutterschaftsurlaub. Danach hat mich niemand gebeten zurückzukommen.