Wikinomics



Die partizipative Plattform

Eine partizipative Plattform ist ein Unternehmen, das Schnittstellen seiner E-Commerce-Plattform für Partner öffnet, die über diese Schnittstellen ihre eigenen Anwendungen entwickeln und damit Geschäfte generieren. Eines der erfolgreichsten Beispiele einer partizipativen Plattform ist Amazon. Amazon hat 975′000 aktive Verkäuferkonten, gut 140′000 Entwickler, die an der Plattform eigene Services entwickeln und einen Anteil von fast einer halben Milliarde Dollar am Gesamtumsatz, der durch Verkäufe von Dritten generiert wird. Amazon hat zwei Partnerprogramme: Das eine funktioniert so, dass Amazon Programmierschnittstellen (API) seiner E-Commerce-Engine geöffnet und Webentwickler aufgefordert hat, sich auf der Plattform als Mitentwickler zu betätigen. Externe Softwareentwickler, die eine Idee für einen Zusatzservice haben, erhalten Zugang zu den wichtigsten Dienstleistungen des Unternehmens wie z.B. dem Einkaufswagen, Produktbildern, Kundenrezensionen und Preisinformationen und dürfen alle Anwendungen bauen, die sie für gut befinden. Für die Schnittstellen bezahlen sie nichts oder nur eine geringe Summe. Wenn sich durch eine solche Dienstleistung der Datenverkehr auf Amazon erhöht, erhalten die Entwickler eine Provision. Mittlerweile sind ganz viele solche Zusatzdienstleistungen entstanden, einer davon ist der Webdienst RefundPlease, der die Preise für die Produkte auf Amazon überwacht. Wer ein Produkt gekauft hat, dessen Preis innerhalb 30 Tagen nach dem Kauf sinkt, kann sich bei RefundPlease melden und erhält die Preisdifferenz von Amazon zurückerstattet. Durch die transparente Preisgestaltung verbessert sich das Image von Amazon. Ein weiterer Service, der von externen Entwicklern erfunden wurde ist ScanZOOM, eine Software, mit der Produktpreise über Amazon verglichen werden können. Beim Shoppen im realen Laden scannt man mit dem Handy den Strichcode eines Produkts und leitet ihn über die Plattform ScanZOOM weiter. ScanZOOM fragt dann die Preise von vergleichbaren, bei Amazon erhältlichen Produkten ab und teilt dem Konsumenten mit, ob das Produkt im jeweiligen Laden oder bei Amazon günstiger ist .

Das zweite Partnermodell basiert darauf, dass Anbieter von Produkten ihre eigene Homepage mit den Anwendungen von Amazon bauen. Auf ihrer Homepage bieten sie dann ihre eigenen Produkte und Dienstleistungen sowie Produkte aus dem Sortiment von Amazon zum Verkauf an. Zusätzlich machen sie Werbung für Artikel von Amazon und setzen Links zu dessen Produktkatalog. Wird über diese Links ein Verkauf generiert, erhalten sie ca. 8% Werbekosten erstattet und finanzieren auf diese Weise ihr Geschäft. Amazon wickelt im Gegenzug den ganzen Kreditkartenverkehr und die Versendung der Produkte ab.

Indem Amazon Zugriff auf seine Daten gewährt und seine Plattform öffnet, fliessen Innovationen von ausserhalb ein, die dem Unternehmen eine riesige Präsenz auf dem Internet und ein immenses Netz an Partnern bringen. Seine Plattform wird ständig aktualisiert und durch Rückmeldeschleifen kann innert kurzer Zeit auf Probleme reagiert werden. Damit eine solche offene Plattform funktionieren kann, müssen die richtigen Geheimnisse bewahrt, eine Basis für Innovation aufgebaut und die Innovationen belohnt werden. Amazon geht das grosse Risiko des sich Öffnens ein, um für die Kunden so attraktiv zu werden, dass sie die Plattform nicht mehr wechseln. Es ist bereit, einen Teil der Kontrolle über das Unternehmen zu verlieren. Amazon ist nicht das einzige Unternehmen, das mit diesen Geschäftsmodell wirtschaftet: Ein weiteres florierendes Beispiel finden wir mit eBay.

Literatur: Tapscott, Don, Wikinomics, unter citeulike


Kommentare

  1. Pia sagt:

    Cloud Computing ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Amazon die Nase ganz vorn hat im Dienstleistungsgeschäft. Die Stärke von Amazon liegt darin, in Trends eine Chance zu sehen und diese konsequent umzusetzen. Und davon profitieren letztlich auch die Kunden.
    Cloud Computing steht für einen Service aus abstrahierter, hochskalierbarer und verwalteter IT-Infrastruktur (für Anwendungen und Speicher), die nach Verbrauch abgerechnet wird. Wichtig für das grosse Geschäft ist der richtige Zeitpunkt, denn der Markt ist Dank der Möglichkeit, die neue Schlüsseltechnologien in diesem Segment bieten, bereit für neue Innovationen. Und nicht zu vernachlässigen sind die Slogans, die nun allerorts verbreitet werden: „Wenn das Managen eines großen Rechenzentrums nicht zu den Kernkompetenzen Ihres Unternehmens gehört, sollten Sie diese Aufgabe an einen externen Dienstleister übertragen“. Und schliesslich wird ein neues Buzzword kreiert, das Lösung für alle Fragestellungen verspricht. Obwohl es ähnliche Angebote mit Software as a Service (SaaS) und Grid-Computing für mehr Rechenleistung schon gibt, spricht man heute von Cloud Computing. Amazon ist mit Elastic Compute Cloud (Amazon EC2) im Geschäft und wird dieses wohl zusammen mit den wenigen anderen Grossen in der Branche unter sich ausmachen.

    Verfasst 1 year, 6 months ago


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