Wikinomics



Die Prosumenten-Community

Als letztes Geschäftsmodell in diesem Blog wird die Prosumenten-Community vorgestellt.

Prosumenten-Communities entstehen dadurch, dass ein Unternehmen seine Kunden in den Entwicklungsprozess seiner Produkte einbezieht. Das kann auf der Ebene von reinen Informationen geschehen, indem die Kunden mit der Firma Kontakt pflegen und Informationen über ihre Präferenzen bekannt geben. Es kann aber auch auf der Ebene der Produktion stattfinden, indem Kunden Produkte mit- und umentwickeln – so wandeln sie sich vom Konsument zum Prosument. Heute wird dieses Geschäftsmodell immer wichtiger, manchmal kann es gar nicht mehr verhindert werden, auch wenn einige Unternehmen, besonders in der Unterhaltungsindustrie, nicht begeistert sind davon. Ein sehr frühes Beispiel ist die Firma Lego, die bereits vor 10 Jahren eher unfreiwillig zu ihren Prosumenten kam. Lego vermarktet neben Bausteinen auch die Hightech-Spielzeuge „Mindstorm“. Sie enthalten einen programmierbaren Legostein, Elektromotoren und Sensoren etc. Bereits drei Wochen nachdem die Spielzeuge im Verkauf waren, hatten sich Benutzergruppen aus Hobbytüftlern gebildet, die Sensoren, Motoren und Kontrollvorrichtungen auseinander nahmen, veränderten und nach ihren eigenen Vorstellungen verbesserten. Als sie ihre Vorschläge an Lego schickten, drohte das Unternehmen zuerst mit Gerichtsverfahren, was in der Nutzercommunity einen Entrüstungssturm auslöste. Lego begann darauf, Vorschläge zu verwenden und mit der Zeit nahm sie sogar ein Recht auf Hacken in die Mindstorms-Software-Lizenz auf. Heute fordert Lego die Kunden explizit zum Experimentieren an seiner Software auf und stellt auf seiner Homepage ein kostenloses Developper-Kit zur Verfügung, mit dem die Prosumenten die Teile weiterentwickeln können. Lego hat mit seiner Community also ein dezentralisiertes Designerteam und spart Innovationskosten damit. Bezahlt werden die Tüftler nicht für ihre Beiträge.

Für jede Firmen ist diese neue Beteiligung von Konsumenten an ihren Produkten eine grosse Herausforderung, denn die Konkurrenz kommt nun sowohl von den anderen Marktteilehmern, wie auch von einer global verflochtenen Masse, die ihre Bedürfnisse und eigenen Ideen umsetzen. Besonders schwierig ist die Herausforderung mit den Prosumenten für Unternehmen, die ein abgeschottetes Geschäftsmodell haben wie z.B. Apple. Das Geschäftsmodell von Apple und iTunes basiert darauf, dass es mit anderen Geräten und Dienstleistungen nicht kompatibel ist und die Kunden dadurch an die Firma gebunden sind. Mittlerweile hat Apple kapituliert gegen seine Prosumenten.

Unternehmen stehen vor wichtigen Entscheiden: lassen sie das Hacken zu, riskieren sie Einbussen an ihren Geschäftsmodellen und verlieren die Kontrolle über ihre Produkte. Kämpfen sie aber gegen die Kunden, riskieren sie ihren Ruf und ihr gutes Image. Das Produkte-Hacken hat erst begonnen, da wird kein Ende in Sicht sein mit den kommenden Generationen, die technisch immer versierter werden.

Es steckt viel Potential in diesem Geschäftsmodell, das Kunden in die Business Webs hinein holt und ihnen eine Vorreiterfunktion bei der Entwicklung von neuen Generationen von Produkten zuschreibt. Es setzt aber voraus, dass die Unternehmen eine auf Vertrauen basierte Beziehung zu ihren Kunden aufbauen und eine Art ökonomische Demokratie aufbauen. Einfach ist das bestimmt nicht!

Literatur unter Citeulike


Kommentare

  1. Pia sagt:

    Auch Myspace, die meistgeklickte Internet-seite der Welt, öffnet sich für fremde Programmierer. (Cash Daily vom 3. März 2008). Damit kopiert das Social Network das Erfolgsrezept seines Rivalen Facebook. Damit ist das Unternehmen. im Kampf der Netzwerke gut gerüstet und bestätigt seinen Spitzenplatz in der Branche: Im vergangenen Jahr setzte die Tochter von Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp. über 800 Mill. Dollar um.
    Das eigene Gärtchen-Denken scheint damit endgültig vorbei. Mehr noch:
    In seltener Einigkeit und fast gleichzeitig haben sich die führenden Social Web Dienste im Mai zur Öffnung ihrer jeweiligen Profil-Applikationen entschlossen. Dabei geht es vor allem um die öffentlichen Profildaten, die man nun Pflegen kann mit dem nötigen Schutz der Privatsphäre. Zum Beispiel kann man Fotos nur für Freunde zur Verfügung stellen. Die zentrale Plattform für alle Online-Aktivitäten ist damit noch nicht geschaffen, aber es geht wohl in die richtige Richtung.

    Verfasst 1 year ago


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